Die FDP Heiden lanciert die öffentliche Debatte um den Spital Heiden.

Die Strategie des Spitalverbundes Appenzell Ausserrhoden (SVAR) und die Zukunft des Spitals Heiden werden seit Wochen kontrovers diskutiert – medial, auf politischer Ebene und in der Bevölkerung. Es ist Zeit, die Entscheidungsträger und die Bevölkerung persönlich zu Wort kommen zu lassen. Die FDP Heiden ermöglichte einen ersten Austausch im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung.

Das Nachrichtendienstgesetz kontrovers diskutiert

Knapp zwanzig Mitglieder der FDP Heiden folgten den Voten des Präsidenten Jörg Lutz. Die Meinungen zur Volksinitiative «Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft)» und jene zur Volksinitiative «AHVplus: für eine starke AHV» waren schnell gemacht. Die Versammlung fasste jeweils einstimmig die Nein-Parole. Das Bundesgesetz über den Nachrichtendienst (NDG) wurde kontroverser diskutiert. Auch wenn es in Anbetracht des technologischen Wandels eine Dringlichkeit ist, dass der Nachrichtendienst mit «den gleichen Spiessen» agieren kann, der «gläserne Mensch» verursacht zweifellos Unbehagen. Trotzdem fassten die Mitglieder, mit einer Gegenstimme, die Ja-Parole.

 

Eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit oder ein gezielter Abbau im Vorderland?

Die anschliessende öffentliche Diskussion über die Zukunft des Spitals Heiden stiess auf grosses Interesse. Rund einhundert Personen fanden sich im Lindensaal in Heiden ein. Das Bedürfnis nach Informationen war gross, die Fragen zahlreich und die Voten emotional. Dr. med. Othmar Kehl, VR-Mitglied Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (SVAR) und ehemaliger Chefarzt Spital Heiden fasste die Strategie und Positionierung des Spitals Heiden nochmals zusammen. Er betonte, dass der Verwaltungsrat hinter dem Spital Heiden steht und die geplanten Massnahmen den Standort Vorderland langfristig sichern werden.

 

Yves Marzoli, Leiter Direktion Finanzen des SVAR, verwies auf den Gesamtverlust des SVAR und die sinkenden Fallzahlen in der Chirurgie des Spitals Heiden. In Anbetracht der Strategie, welche ausschliesslich das Vorderland tangiert, interessierte sich das Publikum insbesondere für die konkreten betriebswirtschaftlichen Zahlen des Spitals Heiden im Vergleich zu Herisau. Es könne nicht sein, dass der Verwaltungsrat nur eine Teilstrategie fährt und die beiden anderen Spitäler in Herisau darin nicht berücksichtigt sind, so der Tenor. Insbesondere da die Bevölkerung keine konkreten betriebswirtschaftlichen Zahlen aus Heiden kenne.

 

Dr. med. Othmar Kehl verwies darauf, dass ebenso eine Strategie für die Spitäler in Herisau vorliege und diese ausgearbeitet werde. Aber am vordringlichsten wäre das Spital Heiden mit den sinkenden Fallzahlen in der Chirurgie und dort könnte man am schnellsten handeln, insbesondere da mit einem guten Partner vor Ort, der Klinik Hirslanden Am Rosenberg, Kooperationsmöglichkeiten bestehen. Ausserdem seien die Gründe für die Defizite grundlegender Natur: neben den sinkenden Fallzahlen in der Chirurgie (vor allem in Heiden) sind es sinkende Kantonsbeiträge (gemeinwirtschaftlicher Leistungen) und höhere Personalkosten (durch den durch das Arbeitsrecht bedingte Personalausbau).

Die anwesenden Referenten und Gäste waren sich grossmehrheitlich einig, dass das beschränkte Einzugsgebiet und die daran gemessene hohe Anzahl an Kantons- und Privatspitäler im Raum St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden sowie die Tendenz, vermehrt auswärtige Spezialisten aufzusuchen – und eben nicht das Spital Heiden – den Kostendruck verschärfen. Trotzdem müsste man sich fragen, welche Grundversorgung ein Kanton zwingend bereitstellen muss, wie viel das Spital Heiden der Bevölkerung wert ist und was es kosten dürfe. Ein gezielter Abbau im Vorderland, um das Spital in Herisau zu sichern wäre inakzeptabel, so die allgemeine Meinung.

 

Umsetzung des Rahmenvertrags mit der Klinik Hirslanden Am Rosenberg

Nach Dr. med. Othmar Kehl ist eine engere Kooperation mit der Klinik Hirslanden ein logischer Schritt; arbeiten beide Spitäler doch seit Jahren eng zusammen. In den nächsten Monaten werden Spezialvereinbarungen erarbeitet und Teilprojekte (z.B. Neuorganisation der Chirurgie, der Ausbau der Frauenklinik oder ambulante Sprechstunden) konkretisiert. Dabei werden beide Spitäler und die Mitarbeitenden eine wichtige Rolle spielen. Alex Rohner, Kantonsrat und Direktor der Hirslanden Klinik Am Rosenberg Heiden, ist überzeugt, dass eine sinnvolle Kooperation einen Mehrwert für beide Kliniken bringt. Mit einer Verlagerung der chirurgischen Fälle vom Spital Heiden in die Klinik Am Rosenberg kann die Grundversorgung in der Chirurgie in der Region weiterhin gewährleistet werden. Auf die Frage, ob das Spital Heiden überhaupt in die Gesamtstrategie des Hirslanden-Konzerns passe, erwidert Alex Rohner, dass die Konzernleitung nach jahrelanger Zusammenarbeit bewusst Hand bietet zu möglichen und sinnvollen Kooperationen. Es ist der Klinik Hirslanden nicht egal, was mit dem Spital Heiden geschieht. Es muss aber auch die Bevölkerung von Heiden und Umgebung beschäftigen; insbesondere weil man eine freie Arzt- und Spitalwahl hat. Es ist eine Tatsache, dass sich immer mehr Menschen besser informieren und ausserkantonale Fachspezialisten aufsuchen und damit den lokalen Spitalstandort vor neue Herausforderungen stellen, so Rohner.

 

Stabilisierung der Situation und Klarheit für die Mitarbeitenden

Für Gallus Pfister, Gemeindepräsident und Präsident der Gesundheitsregion Appenzellerland, ist das Spital Heiden ein wichtiger Arbeitgeber für das Appenzeller Vorderland. Man weiss noch nicht, welche Konsequenzen die Massnahmen haben werden und welche Mitarbeitende von Kündigungen betroffen sein werden. Diese Situation bringt eine grosse Unsicherheit mit sich. Die Verantwortlichen sollten möglichst schnell für Klarheit sorgen (auch mittels Sozialplan) und die Mitarbeitenden einbeziehen, um Abgänge des Personals zu verhindern. Die Situation muss primär stabilisiert werden, bevor man sich neue innovative Angebote überlegt. Die Gemeinde 
Heiden führt mit allen involvierten Stellen Gespräche; insbesondere auch mit der Politik.

Die Diskussion wurde von zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Spitals Heiden besucht. Eine Vertreterin stellt klar, dass das Personal ein grosses persönliches Engagement aufbringt, den Kontakt zu den Patienten besonders pflegt und sich mit «ihrem» Spital identifiziert. Die Mitarbeitenden möchten besser informiert und einbezogen werden. Sie wünschen sich Klarheit bezüglich dem weiteren Vorgehen, damit sie eine Perspektive haben. Die Rahmenbedingungen in Heiden seien sehr gut und man habe in das Spital investiert. Dr. med. Othmar Kehl versichert, dass die Projektarbeit mit der Klärung der konkreten Massnahmen jetzt beginnen kann und die Mitarbeitenden auf jeden Fall einbezogen werden. Der Standort Heiden soll bestehen bleiben.

 

Die FDP Heiden hat mit diesem Anlass einen ersten konstruktiven Beitrag zur Diskussion und zur Klärung einiger Fragen geleistet und sie bleibt weiter dran. Denn der Standort Heiden muss fit für die Zukunft gemacht werden, damit Standort und Arbeitsplätze gesichert werden. Das Thema Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden und die Auswirkungen auf den ganzen Kanton werden an einer Podiumsdiskussion in der Linde Teufen vertieft. Am Donnerstag, 29. September 2016, um 19.00 Uhr diskutieren: Matthias Weishaupt (Gesundheitsdirektor und Landammann), Christiane Roth (Verwaltungsratspräsidentin Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden) und Dr. Roger W. Sonderegger (Institut für Systemisches Management und Public Governance, Universität 
St. Gallen).

 

Monika Gessler

 

 

Kontakt

Jörg Lutz, Präsident FDP Heiden
E-Mail: fdp.heiden(at)bluewin.ch / Tel. 079 503 94 16